Reisedurchfall vermeiden
Kurz gesagtGegen Lebensmittelvergiftung im Urlaub hilft: durchgegarte, dampfend heiße Speisen, nur versiegeltes oder aufbereitetes Wasser, kein Eis und keine Rohkost, wo das Wasser unsauber sein könnte, und Händewaschen vor dem Essen. Ein Restrisiko bleibt: Pack Elektrolytpulver ein und merk dir, wann du zum Arzt solltest.
Am besten schützt du dich im Urlaub vor einer Lebensmittelvergiftung mit drei Gewohnheiten. Iss Gerichte, die gut durchgegart sind und dampfend heiß auf den Tisch kommen. Trink dort, wo das Leitungswasser nicht sicher sein könnte, nur Wasser aus versiegelten Flaschen, abgekochtes oder aufbereitetes Wasser. Und wasch dir vor dem Essen die Hände. Wo die Hygiene unklar ist, lässt du außerdem rohe Salate, Eiswürfel, nicht pasteurisierte Milchprodukte sowie rohes oder halb gares Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte weg.
Das senkt dein Risiko, ganz ausschließen lässt es sich aber nicht. Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass je nach Reiseziel und Jahreszeit 30 bis 70 % der Reisenden auf einer zweiwöchigen Reise Reisedurchfall bekommen. Pack deshalb Elektrolytpulver (orale Rehydratationslösung) ein und lies vorher nach, was du tun kannst, wenn es dich doch erwischt.
Woher Lebensmittelvergiftungen auf Reisen kommen
Verunreinigte Lebensmittel sind ein weltweites Problem. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jedes Jahr rund 866 Millionen Menschen davon krank werden. Das ist fast jeder neunte Mensch auf der Welt.
Bei Reisenden stecken meist Bakterien dahinter, das bestätigt auch das österreichische Gesundheitsportal. Typisch sind bestimmte Stämme von E. coli, Campylobacter, Salmonellen und Shigellen. Den Rest verursachen Viren wie Noroviren und Parasiten wie Giardia. Die CDC nennt die üblichen Risikofaktoren: schlechte Sanitäranlagen und Leitungen, Kühlung, auf die kein Verlass ist, verunreinigtes Wasser, mangelnde Handhygiene und ein nachlässiger Umgang mit Lebensmitteln.
Für TravelHealthPro, den nationalen Reisegesundheitsdienst Großbritanniens, zählen zwei Dinge am meisten: wohin du reist und wo du isst. Und das Risiko gibt es nicht nur in fernen Ländern. Laut CDC hängen selbst in wohlhabenden Ländern Durchfallerkrankungen damit zusammen, wie Restaurants mit Lebensmitteln umgehen.
Die Grundregeln: heiß, durchgegart, geschält, sauber
Die meisten Tipps der Gesundheitsbehörden laufen auf ein paar Gewohnheiten hinaus:
- Iss Gegartes, das dampfend heiß serviert wird. Erreger von Lebensmittelvergiftungen vermehren sich zwischen etwa 4 °C und 60 °C schnell. Finger weg von lauwarmem Essen und von allem, was schon länger herumsteht.
- Vorsicht bei Rohem. Wo du die Hygiene nicht einschätzen kannst, rät die CDC von Salat, rohem Gemüse und ungeschältem rohem Obst ab, ebenso von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten und Eiern.
- Selbst schälen. Obst, das du selbst schälst, etwa Bananen oder Orangen, ist meist sicherer. Das gilt auch für Obst und Gemüse, das du mit Flaschenwasser oder desinfiziertem Wasser wäschst.
- Frische Soßen aus rohen Zutaten weglassen. Die CDC nennt ausdrücklich frische Salsas und andere Soßen aus rohem Obst oder Gemüse.
- Pasteurisierte Milchprodukte nehmen. Verzichte auf Milch, Käse, Joghurt und Speiseeis, wenn du nicht weißt, ob sie pasteurisiert sind. Auch das Auswärtige Amt rät, ungekochte Lebensmittel wie Rohmilch zu meiden.
- Vor dem Essen Hände mit Seife waschen. Gibt es weder Wasser noch Seife, nimm ein Desinfektionsmittel mit mindestens 60 % Alkohol. Gegen Noroviren und auf fettigen oder schmutzigen Händen wirkt es schlechter. Wasch dir also richtig die Hände, sobald du kannst.
Vielleicht kennst du die alte Faustregel „Koch es, schäl es oder vergiss es“. Sie hilft, aber laut CDC werden auch Leute krank, die sich daran halten. Diese Gewohnheiten senken dein Risiko, eine Garantie sind sie nicht.
Was du trinken kannst und was besser nicht
Viele Probleme auf Reisen kommen von Wasser und Eis. Wo das Leitungswasser nicht sicher sein könnte, gilt:
- Trink industriell abgefülltes Wasser aus original verschlossenen Flaschen oder Wasser, das du selbst abgekocht oder aufbereitet hast.
- Limo und andere Getränke mit Kohlensäure aus verschlossenen Dosen oder Flaschen sind in der Regel kein Problem. Kaffee und Tee meist auch nicht, wenn sie dampfend heiß serviert werden.
- Verzichte auf Eiswürfel, Softdrinks aus der Zapfanlage und frische Säfte, die jemand anderes gemacht hat. Dafür wird oft Leitungswasser verwendet.
- Verlass dich nicht darauf, dass Alkohol ein Getränk sicherer macht. Laut CDC tötet Alkohol keine Keime in Eiswürfeln ab, die aus verunreinigtem Wasser gemacht wurden.
- Putz dir die Zähne mit Flaschenwasser oder aufbereitetem Wasser.
Wie du die Lage an deinem Reiseziel herausfindest und Wasser selbst aufbereitest, steht in unserem Ratgeber zu Leitungswasser und Eiswürfeln.
Wo du isst
Wo du isst, zählt genauso viel wie das, was du bestellst. Gute Zeichen:
- Das Essen wird frisch auf Bestellung gekocht und heiß serviert, statt lange warmgehalten zu werden.
- Speisen sind abgedeckt und vor Fliegen geschützt. TravelHealthPro warnt vor Essen, das in der Wärme offen herumsteht, etwa an manchen Buffets.
- Rohes Fleisch liegt getrennt von gegarten und verzehrfertigen Speisen. „Rohes und Gegartes trennen“ ist einer der fünf Schlüssel der WHO zu sichereren Lebensmitteln.
- Es gibt eine amtliche Hygiene-Einstufung, falls das Land so etwas hat, und in aktuellen Bewertungen schreibt niemand, dass er krank geworden ist.
Mehr dazu in unseren Ratgebern zur Restaurantwahl im Ausland und zu Streetfood.
In den Städten, die safeat abdeckt (siehe Reiseziele), zeigt safeat Restaurants, bei denen unsere Prüfung in den letzten 12 Monaten keine Bedenken zur Lebensmittelsicherheit ergeben hat. Das ist ein Ausgangspunkt, keine Inspektion und keine Garantie. Die Gewohnheiten oben gelten also weiter.
Wobei du besonders aufpassen solltest
Manche Lebensmittel bergen eigene Risiken:
- Rifffische und Meeresfrüchte. Manche tropischen Fische enthalten natürliche Giftstoffe, die beim Kochen nicht zerstört werden. Das Auswärtige Amt nennt das Ciguatera-Gift ausdrücklich hitzebeständig. TravelHealthPro rät, auf Kugelfisch und andere riskante Rifffische wie Barrakuda und Muräne zu verzichten. Bei Muscheln und anderen Schalentieren solltest du während oder nach einer Algenblüte („rote Flut“) auf die örtlichen Warnungen achten. Mehr dazu in unserem Ratgeber Fisch und Meeresfrüchte auf Reisen.
- Nicht pasteurisierte Milchprodukte. Laut CDC sind rohe Lebensmittel, darunter Milchprodukte aus Rohmilch, besonders oft verunreinigt.
- Rohes oder halb gares Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Eier. Nimm Gerichte, die ganz durchgegart sind. Auch das Auswärtige Amt rät, keine rohen Meeresfrüchte zu essen.
Manche Reisende sollten vorsichtiger sein als andere. TravelHealthPro nennt ältere Menschen, kleine Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und alle, die Medikamente gegen Magensäure nehmen. Bist du schwanger, rät dir die CDC, auf Käse aus Rohmilch und auf rohes oder nicht durchgegartes Fleisch zu verzichten. Infektionen wie Listeriose und Toxoplasmose können dem Kind schaden. Ähnlich rät das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Schwangeren davon ab, Rohmilch und rohes Fleisch wie Mett oder Tatar unerhitzt zu essen.
So bereitest du dich vor
Ein bisschen Vorbereitung hilft:
- Lass dich reisemedizinisch beraten. TravelHealthPro empfiehlt, das mindestens vier bis sechs Wochen vor der Reise zu tun. Je nach Reiseziel schützen Impfungen vor einigen Krankheiten, die über Essen und Wasser übertragen werden, etwa Hepatitis A, Typhus und Cholera.
- Frag nach Medikamenten. Antibiotika zur Vorbeugung gegen Reisedurchfall empfiehlt die CDC im Allgemeinen nicht. Ob du einen Behandlungsplan brauchst, kann dir deine Ärztin oder dein Arzt sagen, vor allem wenn du eine Vorerkrankung hast.
- Ergänze deine Reiseapotheke: orale Rehydratationslösung, Desinfektionsmittel für die Hände und, wenn es in abgelegene Gegenden geht, etwas, um Wasser aufzubereiten.
- Schließ eine Auslandsreisekrankenversicherung ab, die Behandlungen im Ausland abdeckt. Das rät auch das Auswärtige Amt.
Wenn es dich trotzdem erwischt
Reisedurchfall verläuft meist mild und bessert sich nach ein paar Tagen. Am wichtigsten ist, genug zu trinken. Verlierst du viel Flüssigkeit, ist laut CDC eine orale Rehydratationslösung am besten.
Laut TravelHealthPro solltest du zum Arzt, wenn es dir nach drei Tagen nicht besser geht. Sofort ärztliche Hilfe brauchst du bei Fieber ab 38 °C, Blut oder Schleim im Stuhl, starken Bauchschmerzen, gelblicher Haut oder gelben Augen, Hautausschlag oder Verwirrtheit. Wie du verlorene Flüssigkeit ersetzt, welche Warnzeichen es gibt und wie du im Ausland ärztliche Hilfe findest, erklärt unser Ratgeber zur Lebensmittelvergiftung im Urlaub, oben auf dieser Seite verlinkt.
Häufige Fragen
Was ist die häufigste Ursache für eine Lebensmittelvergiftung im Urlaub?
Meist sind es Bakterien, am häufigsten Durchfall auslösende E.-coli-Stämme. Die übrigen Fälle gehen laut CDC auf Viren wie Noroviren und auf Parasiten wie Giardia zurück.
Kann man im Urlaub Salat essen?
Wo du Hygiene oder Wasserqualität nicht einschätzen kannst, raten Gesundheitsbehörden von Salat und rohem Gemüse ab. Beides kann mit verunreinigtem Wasser gewaschen worden sein. Gegartes Gemüse und Obst, das du selbst schälst, sind die sicherere Wahl.
Tötet Alkohol die Keime in Eiswürfeln ab?
Nein. Laut CDC tötet Alkohol keine Keime in Eis ab, das aus verunreinigtem Wasser gemacht wurde. Wo das Leitungswasser nicht sicher sein könnte, bestell deine Getränke ohne Eis.
Sollte ich vorbeugend Antibiotika gegen Reisedurchfall nehmen?
In der Regel nicht. Die CDC empfiehlt vorbeugende Antibiotika im Allgemeinen nicht, weil die Risiken meist größer sind als der Nutzen. Hast du eine Erkrankung, die dein Risiko erhöht, sprich vor der Reise mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Reicht Desinfektionsmittel, um eine Lebensmittelvergiftung zu vermeiden?
Am besten wäschst du dir die Hände mit Wasser und Seife. Ohne Waschbecken hilft ein Desinfektionsmittel mit mindestens 60 % Alkohol. Gegen Noroviren und auf schmutzigen oder fettigen Händen wirkt es aber schlechter.
Quellen
- Food safety (fact sheet), Weltgesundheitsorganisation (WHO)
- Food and Water Precautions for Travelers (CDC Yellow Book 2026), Centers for Disease Control and Prevention (CDC, USA)
- Travelers' Diarrhea (CDC Yellow Book 2026), Centers for Disease Control and Prevention (CDC, USA)
- Food and Drink Considerations When Traveling, Centers for Disease Control and Prevention (CDC, USA)
- Hygienehinweise, Auswärtiges Amt (Deutschland)
- Reisedurchfall vorbeugen, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at)
- Ciguatera, Auswärtiges Amt (Deutschland)
- Verbrauchertipps: Schutz vor Lebensmittelinfektionen mit Listerien, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, Deutschland)
- Denken Sie an Ihre Reisekrankenversicherung!, Auswärtiges Amt (Deutschland)
- Travellers' diarrhoea, TravelHealthPro (National Travel Health Network and Centre, Großbritannien)
- Food and water hygiene, TravelHealthPro (National Travel Health Network and Centre, Großbritannien)
- Five keys to safer food manual, Weltgesundheitsorganisation (WHO)
- Pregnant Travelers (CDC Yellow Book 2026), Centers for Disease Control and Prevention (CDC, USA)
Diese Seite enthält allgemeine Informationen für Reisende und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenn es dir sehr schlecht geht oder du hohes Fieber, Blut im Stuhl, Anzeichen einer Austrocknung oder eine schwere allergische Reaktion hast, hol dir schnell ärztliche Hilfe.
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