Allergien im Urlaub
Kurz gesagtMit Lebensmittelallergie im Ausland essen: Nimm eine Allergiekarte in der Landessprache mit und nenn bei jeder Bestellung deine Allergie, auch wegen Kreuzkontakt. Mit Adrenalin-Rezept: immer zwei Autoinjektoren dabeihaben und die Notrufnummer kennen. Kann das Personal nicht klar antworten, iss woanders.
Mit einer Lebensmittelallergie kannst du auch im Ausland essen gehen, ohne ein unnötiges Risiko einzugehen. Du musst aber mehr planen als zu Hause. Nimm eine Allergiekarte in der Landessprache mit, sag bei jeder Bestellung, worauf du allergisch bist, und frag, wie die Küche Kreuzkontakt vermeidet. Kann dir das Personal das nicht klar beantworten, iss woanders.
Bereite dich auch auf den Ernstfall vor. Wurde dir Adrenalin verschrieben, trag immer zwei Autoinjektoren (Adrenalin-Pens) bei dir. Du solltest die Notrufnummer vor Ort kennen und wissen, wo das nächste Krankenhaus ist. Allergenregeln, Zutaten und Sprache ändern sich mit jeder Grenze. Frag deshalb jedes Mal selbst nach.
Vor der Reise: eine Checkliste
- Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Sorg dafür, dass dein Anaphylaxie-Notfallplan aktuell ist und du weißt, wie du deinen Autoinjektor benutzt. FARE rät, dir zusätzliche Rezepte für unterwegs ausstellen zu lassen und dir in jedem Reiseland den Wirkstoff und die Handelsnamen deiner Medikamente zu merken.
- Trag zwei Autoinjektoren bei dir. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, immer zwei Adrenalin-Autoinjektoren dabeizuhaben. Allergy UK beruft sich dabei auf die Empfehlung der britischen Arzneimittelbehörde MHRA. Laut kanadischer Regierung sind sie in manchen Ländern schwer zu bekommen. Prüf vor der Abreise das Verfallsdatum.
- Pack deine Medikamente ins Handgepäck, nicht in den aufgegebenen Koffer. Laut Allergy UK musst du womöglich nachweisen, dass du die Adrenalin-Pens brauchst. Nimm also eine Kopie deines Notfallplans oder Rezepts mit.
- Schließ die passende Reiseversicherung ab. Allergy UK rät, die Lebensmittelallergie wie jede andere Erkrankung anzugeben und zu prüfen, ob die Police Notfallbehandlung, Krankentransport, Krankenhausaufenthalt und Ersatzmedikamente abdeckt.
- Kläre vorab, wo du Hilfe bekommst. Such die Notrufnummer vor Ort heraus und speichere sie im Handy. Allergy UK empfiehlt außerdem, deine Allergien in den Notfallpass oder die Notfallinformationen deines Handys einzutragen und das nächste Krankenhaus in deiner Karten-App zu markieren. FARE rät, schon vor der Ankunft herauszufinden, welches Krankenhaus deiner Unterkunft am nächsten liegt.
- Pack Snacks ein, die du verträgst, für Reisetage und Verspätungen. Prüf auch, ob dein Reiseland die Einfuhr von Lebensmitteln beschränkt.
Die Allergiekarte
Eine Allergiekarte (auch Übersetzungskarte oder „Chef Card“) ist eine kleine Karte, die in der Landessprache genau erklärt, was du nicht essen darfst. So kommt deine Botschaft am klarsten bei der Person an, die kocht, und nicht nur bei der, die die Bestellung aufnimmt.
- Woher du eine bekommst. FARE, eine US-Organisation für Menschen mit Lebensmittelallergien, bietet Vorlagen auf Englisch und in 10 weiteren Sprachen an. Allergy UK druckt gegen eine kleine Gebühr Karten in der Sprache deiner Wahl.
- Was draufstehen sollte. Nenn jedes Allergen eindeutig und sag, wie schwer deine Reaktion ist. Schreib dazu, dass dich schon kleine Mengen oder gemeinsam benutzte Küchengeräte krank machen können.
- Lass die Übersetzung prüfen. Laut FARE können die Übersetzungen je nach regionalem Dialekt abweichen. Wenn möglich, lass deine Karte vor der Reise von jemandem lesen, der die Sprache als Muttersprache spricht.
- Nimm Ersatz mit. Pack mehrere Exemplare ein, falls du eins liegen lässt, und speichere ein Foto der Karte auf dem Handy.
Eine einfache Karte könnte so lauten: „Ich habe eine schwere Erdnussallergie. Schon eine sehr kleine Menge kann mich ernsthaft krank machen. Bitte achten Sie darauf, dass mein Essen keine Erdnüsse und kein Erdnussöl enthält und nicht mit Pfannen, Öl oder Küchengeräten zubereitet wird, die für Erdnüsse benutzt wurden. Vielen Dank.“
Welche Allergenregeln an deinem Reiseziel gelten
In der EU sind Allergeninformationen laut Europäischer Kommission auch für unverpackte Lebensmittel Pflicht, also auch in Restaurants und Cafés. Das EU-Recht nennt 14 Allergene, die angegeben werden müssen. Das deutsche Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) listet sie so auf:
- glutenhaltiges Getreide (etwa Weizen, Roggen, Gerste und Hafer)
- Krebstiere
- Eier
- Fisch
- Erdnüsse
- Soja
- Milch
- Schalenfrüchte (etwa Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse und Cashewkerne)
- Sellerie
- Senf
- Sesam
- Schwefeldioxid und Sulfite (über 10 mg pro Kilogramm oder Liter)
- Lupinen
- Weichtiere
In Deutschland, Österreich und der Schweiz darf ein Lokal die Allergene auch mündlich nennen, wenn ein deutlicher Hinweis darauf aufmerksam macht. In Deutschland muss dann laut BMLEH auf Nachfrage eine schriftliche oder elektronische Dokumentation leicht zugänglich sein. In Österreich muss laut oesterreich.gv.at geschultes Personal die Auskunft geben. In der Schweiz, die nicht zur EU gehört, verlangt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) grundsätzlich schriftliche Angaben, auch im Restaurant. Mündlich geht es nur, wenn die Informationen dem Personal schriftlich vorliegen oder eine Fachperson sie geben kann.
In Großbritannien gelten dieselben 14 Allergene. Laut Food Standards Agency müssen Restaurants, Cafés und Imbisse Allergeninformationen geben, entweder auf der Speisekarte oder mit einem Hinweis, wie du sie bekommst. Ein anderes Gericht müssen sie dir nicht anbieten.
Anderswo sind die Regeln sehr unterschiedlich. Vielleicht gibt es gar keine Pflicht, über Allergene zu informieren. Gerichte vor Ort können Allergene enthalten, mit denen du nicht rechnest, etwa in Soßen, Ölen, Pasten oder der Garnierung. FARE warnt außerdem: Ein Produkt, das in einem anderen Land unter demselben Namen verkauft wird, hat nicht unbedingt dieselben Zutaten.
Auch wo strenge Regeln gelten, passieren Fehler. Das Gesetz ist ein Ausgangspunkt, keine Garantie.
Was du beim Bestellen sagst
Sag bei jeder Bestellung, worauf du allergisch bist, auch in einem Restaurant, in dem du schon gegessen hast. Die kanadische Regierung rät, wenn nötig nach der Geschäftsführung oder dem Küchenchef zu fragen. Hilfreiche Fragen nach den Empfehlungen der Food Standards Agency:
- Ist mein Allergen in diesem Gericht, auch in Soßen, Brühen, Ölen oder der Garnierung?
- Kann die Küche es ohne zubereiten?
- Wie verhindern Sie Kreuzkontakt? Nehmen Sie getrennte Pfannen, eigenes Öl und eigene Küchengeräte?
- Hat sich das Rezept vor Kurzem geändert?
Nimm einfache Gerichte mit wenigen Zutaten. Im Zweifel lass das Gericht weg. Merkst du, dass das Personal nicht versteht, worauf es ankommt, isst du laut Food Standards Agency besser nicht dort.
Woran du sonst eine gut geführte Küche erkennst, steht in unserem Ratgeber zur Restaurantwahl im Ausland.
Kreuzkontakt: das versteckte Risiko
Kreuzkontakt heißt: Ein Allergen gelangt in ein Gericht, das es als Zutat gar nicht enthält, etwa über gemeinsam benutzte Geräte, eine gemeinsame Fritteuse oder eine ungeputzte Arbeitsfläche. Die Food Standards Agency weist darauf hin, dass Erhitzen allergene Eiweiße nicht zuverlässig unschädlich macht. Ein verunreinigtes Gericht wird durch Kochen oder Frittieren also nicht ungefährlich.
Volle Küchen, gemeinsam benutzte Woks und Grills und Buffets mit gemeinsamen Vorlegelöffeln machen es schwerer, Kreuzkontakt zu vermeiden. An Essensständen solltest du besonders vorsichtig sein. Mehr dazu in unserem Ratgeber Ist Streetfood sicher?
Im Notfall: schnell handeln
Der NHS nennt diese Anzeichen einer Anaphylaxie, die meist innerhalb von Minuten einsetzen:
- Schwellungen im Hals oder an der Zunge
- Atemnot oder sehr schnelles Atmen
- Schluckbeschwerden, Engegefühl im Hals oder heisere Stimme
- pfeifende Atmung, Husten oder laute Atemgeräusche
- Müdigkeit oder Verwirrtheit
- Schwächegefühl, Schwindel oder Ohnmacht
- kalte Haut, oder Haut, Lippen oder Zunge werden blau, grau oder blass
So reagierst du laut NHS:
- Benutz sofort einen Adrenalin-Autoinjektor, wenn du einen hast.
- Ruf die Notrufnummer vor Ort an und sag, dass du eine Anaphylaxie vermutest. In der EU erreichst du die 112 überall kostenlos. Laut Europäischer Kommission funktioniert sie auch in einigen anderen Ländern, etwa in der Schweiz.
- Leg dich hin und lagere die Beine hoch. Fällt das Atmen schwer, richte stattdessen den Oberkörper auf oder setz dich langsam hin. Bist du schwanger, leg dich auf die linke Seite.
- Bessert sich nach 5 Minuten nichts, nimm den zweiten Autoinjektor.
- Steh nicht auf und lauf nicht herum, auch wenn es dir besser geht.
Wo safeat ins Spiel kommt
safeat zeigt Restaurants, bei denen unsere Prüfung in den letzten 12 Monaten keine Bedenken zur Lebensmittelsicherheit ergeben hat. Das kann dir helfen zu entscheiden, wo du mit der Suche anfängst. Ob du ein bestimmtes Gericht trotz deiner Allergie essen kannst, sagt dir safeat aber nicht. Frag vor dem Bestellen immer im Restaurant nach.
Häufige Fragen
Welche 14 Allergene müssen in der EU angegeben werden?
Glutenhaltiges Getreide, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch, Schalenfrüchte (Nüsse), Sellerie, Senf, Sesam, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen und Weichtiere. Lebensmittelunternehmen in der EU müssen sie angeben, wenn sie als Zutat verwendet werden.
Müssen Restaurants in Europa über Allergene informieren?
Ja. Nach EU-Recht sind Allergeninformationen auch für unverpackte Speisen Pflicht, also auch in Restaurants und Cafés. Großbritannien hat ähnliche Regeln für dieselben 14 Allergene. Außerhalb Europas ist das sehr unterschiedlich, frag also immer nach.
Wie viele Adrenalin-Pens sollte ich auf Reisen dabeihaben?
Der britische Gesundheitsdienst NHS rät allen mit Anaphylaxie-Risiko, immer zwei Adrenalin-Autoinjektoren bei sich zu tragen. Pack sie ins Handgepäck, prüf vor der Abreise das Verfallsdatum und frag deine Ärztin oder deinen Arzt, ob du für eine lange oder abgelegene Reise mehr brauchst.
Kann ich für die Allergiekarte eine Übersetzungs-App nutzen?
Besser als nichts, aber Übersetzungen treffen nicht immer die Ausdrücke vor Ort. Laut FARE können sogar die eigenen übersetzten Karten je nach regionalem Dialekt abweichen. Lass deine Karte vor der Reise am besten von jemandem prüfen, der die Sprache als Muttersprache spricht.
Welche Notrufnummer gilt in Europa?
Die 112 erreichst du überall in der EU kostenlos, vom Handy und vom Festnetz, außerdem in einigen anderen Ländern wie der Schweiz. Außerhalb Europas suchst du die Notrufnummer vor der Reise heraus und speicherst sie im Handy.
Quellen
- Allergenkennzeichnung ist Pflicht, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH, Deutschland)
- Allergiker-Informationen in der Gastronomie, oesterreich.gv.at (Österreich)
- Informationen im Offenverkauf, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV, Schweiz)
- Food information to consumers - legislation, Europäische Kommission
- Food allergy and intolerance advice for consumers, Food Standards Agency (Großbritannien)
- Anaphylaxis, NHS (Großbritannien)
- Your quick guide to: Travelling Safely with Food Allergy, Allergy UK (Großbritannien)
- Tips for International Travel, FARE (Food Allergy Research & Education, USA)
- Food Allergy Chef Cards, FARE (Food Allergy Research & Education, USA)
- Eat and drink safely outside Canada, Regierung von Kanada
- 112 - die Notrufnummer der EU, Europäische Kommission
Diese Seite enthält allgemeine Informationen für Reisende und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenn es dir sehr schlecht geht oder du hohes Fieber, Blut im Stuhl, Anzeichen einer Austrocknung oder eine schwere allergische Reaktion hast, hol dir schnell ärztliche Hilfe.
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